Kirche2go: Schuld, was ist das?

Laura Kadur, Pfarrerin in der Gemeinde Köln/Weiden und die „Neue“ bei Kirche2go erklärt, was sie unter dem Begriff der Schuld versteht. Wie unterscheidet sich z.B. der Schuldbegriff der Gesellschaft von dem der Kirche? Gibts es da überhaupt einen unterschied. „Du bist Schuld“ wie oft schon hören oder hörten wir bereits diesen Satz. Auch Kadur kennt diesen vorwurfwurfsvollen Satz und das damit verbundene schlechte Gewissen. Sind wir wirklich schuldig im Sinne der Anklage? Oder sind vor Gott alle Schulden beglichen, wenn wir uns an ihn wenden? Wie gehen wir Christen mit dem Schuldbegriff um? Laura Kadur sucht Erklärungsansätze und findet eine Antwort – jetzt bei #Kirche2go

 

Den Text zum Nachlesen:

„Du bist Schuld“ Den Satz den hört man ganz oft, also ich jetzt auch zum Beispiel. Wenn ich an Schuld denke und vor allem an die Kirche denke, dann habe ich immer so das Gefühl, dass viele Jahre und Jahrzehnte die Kirche immer sehr als moralische Instanz gesehen wurde, die mit erhobenem Zeigefinger da steht. Also der Mensch auch ständig auf diese Schuld zurück geworfen wird und man eigentlich das Gefühl hat: ich bin es überhaupt nicht Wert. Ich mache mich ständig schuldig und ich kann gar nicht anders. Also warum überhaupt noch da hingehen, ich will mir ja auch nicht ständig sagen lassen, wie schlecht ich eigentlich bin. Jetzt muss man sehr fein unterscheiden. Den Begriff von Schuld den wir gesellschaftlich haben, der hat meistens was mit Taten zu tun, wo man quasi als Beispiel Gesetze gebrochen werden. Also wenn ich was stehle zum Beispiel, da mache ich mich schuldig. Im kirchlichen Sinne sprechen wir da von Sünde und Sünde, heißt, ich kehre mich ab von Gott. Also das heißt, Gott hat mit mir was vor, also er wendet sich mir zu und das liebend oder mit liebenden Augen. Und wenn ich das aber gar nicht will und mich abkehre und meinen ganz eigenen Weg gehe und sage, dass mir alles egal ist, was du da sagst und von mir willst, dann bin ich quasi in einer Position, wo ich schuldig werden kann, wo ich sündig werden kann. Und in dem ich das eigentlich sage, merke ich, dass diese Worte so viel Macht haben und so viel Bedeutung haben, dass mir das echt schwer über die Lippen kommt. Ich glaube Fakt ist aber, dass wenn man sich schuldig macht oder wenn man schuld empfindet, dass man immer wieder den Punkt findet in seinem Leben zu sagen: „Aber er liebt mich doch“. Jemand ist da, jemand zu dem ich zurückkehren kann. Das ist gut so und das ist Gott für mich. Ich hoffe das für dich oder auch für sie, weil das eigentlich das ist, worum es geht. Dass wir da keine Angst vor haben müssen, wenn wir Fehler machen, wenn wir uns schuldig machen, wenn wir das Gefühl haben, wir baden eigentlich nur so in der Sünde. Dann können wir zurück zu Gott. Und der wedelt nicht jetzt etwa mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern eher im Gegenteil. Der ist froh, dass wir wieder da sind, der breitet die Arme aus und nimmt uns auf. Deshalb: Schuld gehört zum Leben mit dazu aber zu Gott zurückzukehren auch.